Material- und Steinkunde

Sonntag, 12. April 2009

Ratgeber

Wir informieren Sie über die verschiedenen Schmuckarten und deren Materialien. Der Variantenreichtum an Schmuck wird immer grösser und die Schmuckdesigner lassen sich immer wieder neue Kreationen einfallen. Diese Materialien werden auf den folgenden Seiten genauer beschrieben, wie beispielsweise deren Verarbeitbarkeit, Belastbarkeit, Abnutzung und Pflege.

Silber

Silber ist ein Edelmetall und chemisches Element aus der ersten Nebengruppe (Kupfergruppe) des Periodensystems. Das Elementsymbol Ag leitet sich vom lateinischen Wort argentum „Silber“ ab. Es ist neben Kupfer eines von zwei Elementen, welche Namensgeber für ein Land sind (Silber für Argentinien und Kupfer für Zypern). Es ist ein weiches und gut verformbares Schwermetall und besitzt die größte elektrische Leitfähigkeit aller Elemente. Silber wird seit Jahrhunderten für erlesene und wertbeständige Essbestecke, Tafelsilber und Kirchengeräte verwendet. Silber eignet sich besonders für Schmuck, wurde aber auch in Form von Silbermünzen als Zahlungsmittel eingesetzt. Silberbarren werden wie Gold- und Platinbarren als Bankreserven eingesetzt. Bei Schmuck und Barren kann der Silbergehalt an der Repunze abgelesen werden. Silber ist als Edelmetall relativ reaktionsträge. An normaler Luft läuft seine Oberfläche allerdings mit der Zeit schwarz an, insbesondere durch Reaktion mit Schwefelwasserstoff H2S, der das elementare Silber zu Silbersulfid (Ag2S) oxidiert: Licht, höhere Temperaturen, Feuchtigkeit, Schwefelspuren und Sauerstoff beschleunigen diesen Prozess. Silber ist mit den meisten Metallen legierbar. Gut legieren lässt es sich mit Gold oder Palladium (ein Palladiumgehalt von 20 bis 30 Prozent macht das Silber anlaufbeständig). In begrenztem Umfang lässt sich das Silber mit Chrom, Mangan oder Nickel legieren. Es lässt sich nicht legieren mit Kobalt oder Eisen. Silber ist ein weiß glänzendes Edelmetall. Die Schmelztemperatur unter Normaldruck beträgt 961 °C und die Siedetemperatur 2212 °C. Silber hat aber bereits oberhalb von 700 °C, also noch im festen Zustand, einen beobachtbaren Dampfdruck. Es siedet unter Bildung von einatomigem, blauem Dampf. Das Edelmetall besitzt eine Dichte von 10,49 g/cm³ (bei 20 °C) und gehört daher wie alle Edelmetalle zu den Schwermetallen. Es besitzt eine Härte nach Mohs von 2,5. Es leitet die Wärme und Elektrizität am besten von allen Metallen und lässt sich wegen seiner Dehnbarkeit und Weichheit zu feinsten, blaugrün durchschimmernden Folien von einer Dicke von nur 0,002 bis 0,003 Millimeter aushämmern oder zu dünnen, bei 2 Kilometer Länge nur 0,1 bis 1 Gramm wiegenden Drähten (Filigrandraht) ausziehen.

Edelstahl

Seit einigen Jahren wird in der Schmuckbranche auch Edelstahl verarbeitet. Folgende Eigenschaften haben dazu beigetragen, das Edelstahlschmuck sich erfolgreich in der Schmuckbranche gefestigt hat:
- antiallergisch
- kein Anlaufen, kein Oxidieren
- lange Lebensdauer
- hart und dadurch sehr kratzfest
- nicht rostend

Messing

Messing ist schon seit dem dritten Jahrtausend v. Chr. aus Assyrien und Babylonien bekannt. In Palästina wurde Messing um 1400 bis 1000 v. Chr. aller Wahrscheinlichkeit nach durch das Schmelzen von Kupfer unter dem Zusatz von so genanntem Galmei (Zinkcarbonat) produziert.
Seither wurden daraus hauptsächlich Schmuck und Kunstgegenstände hergestellt. Im Mittelalter fertigte man sehr viele Gegenstände des Kunsthandwerks oder liturgische Gefäße aus Messing.
Auch heute wird Messing wegen seiner goldähnlichen Farbe in der Schmuckherstellung als Goldersatz verwendet. Messingsorten mit mehr als ca. 70 Prozent Kupfer werden auch als Tafelmessing, Tombak oder Goldmessing bezeichnet. Der Name leitet sich vom malaysischen Namen für Kupfer, Tumbaga oder Tambaga, ab.

Kristalle und Quarze

Ein Kristall ist ein Körper, dessen Atome oder Moleküle nicht zufallsweise, sondern regelmäßig als Kristallgitter angeordnet sind.
Viele Schmucksteine sind besonders schöne und große Kristalle verschiedener Minerale, meistens mit großer Härte. Der Bergkristall ist eine farblose, durchsichtige Variante von kristallinem Quarz; die violette Variante ist der Amethyst. Der Diamant ist eine kristalline Form des Kohlenstoffs und das härteste natürlich vorkommende Mineral. Auch Silizium kristallisiert im Diamantgitter.
Darüber hinaus werden Quarz und seine farbigen Varietäten seit alters her als Schmuckstein geschätzt.
Quarzvariationen wie der Achat, der violette Amethyst, der zitronengelbe Citrin, der blutrote Jaspis oder der schwarz-weiß gestreifte Onyx werden wegen der großen Härte und der guten Schneid- und Polierbarkeit des Minerals in der Schmuckindustrie zu Schmucksteinen verarbeitet.

Zirkonia

Zirkonia ist eine beliebte Diamantimitation für Schmuck. Es handelt sich um künstlich hergestellte monokline Kristalle aus Zirconiumdioxid (Baddeleyit). Cubic Zirkonia, oder CZ abgekürzt, sind erstmals ca. 1937 in Erscheinung getreten. Aufgrund ihrer Härte von 7–7,5 auf der Mohsschen Härteskala und einem fortgeschrittenen Produktionsprozess, entwickelten sie sich zu hoch-qualitativen, kostengünstigen Schmucksteinen und sind heutzutage ein gefragter Artikel in der Schmuckindustrie. Weitere relativ einfach und durch nichtdestruktive Messverfahren zu ermittelnde Unterschiede zum Diamanten bestehen in der unterschiedlichen Lichtbrechung (Brechzahl Zirkonia 1,98, Diamant 2,42) und der verschiedenen Dichte (Zirkonia 4,7, Diamant 3,5).

Perlmutt

Die innerste Schalenschicht (Hypostracum) schalenbildender Mollusken wird als Perlmutt (Perlmutter) bezeichnet. Das Biomineral Perlmutt ist ein Verbundmaterial aus Calciumcarbonat und organischem Material. Das Material dient den Tieren als Schutz gegen Fressfeinde. Aufgrund seiner optischen Eigenschaften (es schillert) findet es in Kunstgegenständen wie z.B. Schmuck und Zierknöpfen Verwendung.

Türkis

Seiner charakteristischen blaugrünen Farbe verdankt die Farbe Türkis ihren Namen.
Türkis wird ausschließlich zu Schmucksteinen verarbeitet. Türkis zählt zu den ältesten Schmucksteinen und hat mit seinen zarten Pastelltönen schon seit dem Altertum viele Völker in seinen Bann gezogen. Türkis wurde von vielen dieser Völker prophylaktische Fähigkeiten nachgesagt. So soll er angeblich je nach Gesundheitsstand des Trägers seine Farbe ändern und vor bösen Mächten beschützen.
Durch Grabbeigaben ist belegt, dass die alten Ägypter Türkis bereits seit Vordynastischer Zeit (etwa 5500 v. Chr.) als Schmuckstein verwendeten. Die berühmtesten Stücke dürften allerdings aus Tutanchamuns Grab stammen. Besonders die Totenmaske des Pharaos, großzügig mit Türkis verziert, ist allgemein bekannt. Die ägyptischen Goldschmiede verwendeten ihn auch bei Ringen, üppigen Halsketten und Pektoralen. Türkis ist in goldenen Flechterein ebenso zu finden wie als Material für Amulett-Schnitzereien (Skarabäus), die man des Weiteren mit Karneol, Lapislazuli und später auch mit gefärbtem Glas verzierte. Türkis war der Edelstein der ägyptischen Göttin Hathor und war bei den antiken Ägyptern so begehrt, dass er als einer der ersten Edelsteine imitiert wurde. Zur Herstellung dieses helleren Stoffes glasiert man das Keramikprodukt Fayence. Eine ähnlich blaue „Keramik“ aus der Bronzezeit ist in einer Grabstelle auf den Britischen Inseln entdeckt worden.

Strass

Strass bezeichnet Glas-Steine aus bleihaltigem Glasfluss, die seit dem 18. Jahrhundert als Imitationen von Diamanten verwendet werden. Früher wurden diese auch als „Simili“ bezeichnet. Sie gleichen in Glanz und Farbstreuung annähernd den Diamanten, ohne aber deren Lichtbrechungsindex und Ritzhärte zu besitzen.
Im 18. Jahrhundert bestand am Hofe Ludwig XV. ein großer Bedarf an Schmuck, der die Verbreitung der Steine stark förderte. Der elsässische Erfinder und Juwelier Georg Friedrich Strass (französisch: Georges Frédéric Strass) (1701–1773) widmete sich ab 1730 in einem eigenen Betrieb in Paris speziell der Herstellung von Diamant-Imitationen. Er hatte damit großen Erfolg und durfte sich seit 1734 „Juwelier des Königs“ nennen.
Die Bezeichnung „pierres de strass“ (Steine von Strass) bürgerte sich im deutschen Sprachraum in der Abkürzung „Strass“ als Synonym für Diamant-Imitationen ein. Verwendet wird Strass heutzutage, neben der Verwendung in Modeschmuck, zum Besatz von Kleidung.

Wir hoffen, daß unsere kleine Material- und Steinkunde für Sie von Interesse ist und die ein oder andere hilfreiche Information erhält.

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